Donnerstag, 16.07.2026

25 Jahre Integrationsfachdienst Warendorf - Teilhabe im Arbeitsleben ermöglichen

Seit 25 Jahren ist der Integrationsfachdienst (IFD) im Kreis Warendorf Ansprechpartner für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, wenn es um den Einstieg ins Arbeitsleben oder die Sicherung eines bestehenden Arbeitsplatzes geht. Für das Team um Leiter Matthias Wehkamp und seine Stellvertreterin Heike Sommer ist das 25-jährige Jubiläum weit mehr als nur ein langer Zeitraum: „Es steht für ein Vierteljahrhundert erfolgreiche Arbeit im Bereich der beruflichen Inklusion.“ Für den Dipl. Sozialpädagogen und die Dipl. Pädagogin, die beide von Beginn an dabei sind, ist damit zugleich der Blick auf „zahllose Erfolgsgeschichten von Menschen“ verbunden, „die durch die Begleitung des IFD erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert oder in ihren Arbeitsplätzen gehalten werden konnten“.

 

Seit 25 Jahren im Einsatz für berufliche Teilhabe: das Team des Integrationsfachdienstes im Kreis Warendorf mit Leiter Matthias Wehkamp (4.v.l.), Stellvertretender Leiterin Heike Sommer (3.v.r.) und Stefan Finsterbusch (2.v.l.), Fachbereichsleiter Eingliederungshilfe des St. Rochus-Hospitals Telgte.

Der IFD im Kreis Warendorf ist in Ahlen ansässig. Träger sind die St. Rochus-Hospital Telgte GmbH und die Kolping Bildungswerk Diözesanverband Münster GmbH, die den Dienst im Auftrag des LWL-Inklusionsamtes Arbeit gemeinsam verantworten. Seine Wurzeln reichen bis in die 1990er-Jahre zurück. Zunächst lag der Schwerpunkt auf der beruflichen Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Mit der gesetzlichen Verankerung im Sozialgesetzbuch IX im Jahr 2001 erhielt der Dienst eine neue Grundlage. Anschließend wurde das Angebot Schritt für Schritt ausgebaut.

Wie wichtig diese Unterstützung ist, zeigt sich im Alltag immer wieder. Viele Ratsuchende haben Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, erleben Unsicherheiten im Betrieb oder stehen unter erheblichem psychischem Druck. Hinzu kommen fehlende Barrierefreiheit und Konflikte am Arbeitsplatz, Überforderung durch neue Anforderungen oder die Sorge, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Der IFD Warendorf unterstützt deshalb sowohl die betroffenen Menschen als auch die Unternehmen. „Wir sind Berater für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch Lotse zwischen den Institutionen“, fasst Heike Sommer zusammen. Der Dienst hilft bei der Gestaltung passender Arbeitsplätze, informiert über Fördermöglichkeiten, begleitet die Einarbeitung und unterstützt, wenn es im Arbeitsalltag zu Unsicherheiten oder Konflikten kommt.

Heute arbeitet in Ahlen ein sechsköpfiges Team mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten. Dazu gehören unter anderem der Übergang von der Schule in den Beruf, die Begleitung von Menschen mit Hörbeeinträchtigung, der Übergang aus der Werkstatt für Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, die Sicherung bestehender Arbeitsverhältnisse, die Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie berufliche Rehabilitation und Fallmanagement nach psychosomatischer Reha. „Individuelle Unterstützung je nach Bedarf, passgenaue Beratung für unterschiedliche Zielgruppen und spezifisches Fachwissen bei verschiedenen Einschränkungen sind für unsere Arbeit entscheidend“, betont Matthias Wehkamp. Genau diese fachliche Breite mache es möglich, Menschen gezielt zu begleiten und tragfähige Lösungen für sehr unterschiedliche Lebens- und Arbeitssituationen zu entwickeln.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich beim Thema Inklusion spürbar etwas bewegt. Rechtliche Grundlagen wurden gestärkt, gesellschaftliche Sensibilität ist gewachsen, und Teilhabe am Arbeitsleben ist heute deutlich stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert als noch vor einem Vierteljahrhundert. Dass Ausgrenzung kritischer hinterfragt wird, ist für den IFD im Kreis Warendorf ein wichtiger Fortschritt. Gleichzeitig zeigt die tägliche Praxis, dass noch viel zu tun bleibt: Menschen mit Beeinträchtigung haben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weiterhin oft schlechtere Chancen, und Barrieren bestehen nach wie vor in Strukturen, Verfahren und im Denken.

Dass sich dennoch viel erreichen lässt, erlebt der Dienst in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen im Kreis Warendorf immer wieder. Viele Betriebe begegnen dem Thema offen,  kooperativ und lösungsorientiert und sind bereit, Menschen mit Unterstützungsbedarf eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Entscheidend sind dabei verlässliche Begleitung, klare Kommunikation und gemeinsame Lösungen. „Aktuell prägen vor allem der Fachkräftemangel, zunehmende bürokratische Anforderungen und die Herausforderung, für sehr unterschiedliche Menschen passende und nachhaltige Arbeitsplätze zu finden, unsere Arbeit“, berichtet Matthias Wehkamp.

Zum Jubiläum richten er und Heike Sommer deshalb eine klare Botschaft an die Öffentlichkeit: „Inklusion und Teilhabe am Arbeitsleben sind keine Sonderthemen, sondern ein Gewinn für unsere ganze Gesellschaft. Vielfalt bereichert Betriebe, eröffnet Chancen und zeigt, wie viel möglich ist, wenn Menschen mit unterschiedlichen Stärken selbstverständlich zusammenarbeiten.“